Lebenslauf: Sprachkenntnisse angeben

Fremdsprachenkenntnisse können Dir wertvolle Pluspunkte einbringen – wenn Du sie richtig angibst.

Früher waren sie ein schöner Bonus, heute sind sie fast schon Pflicht: Fremdsprachenkenntnisse. Bei Deiner Bewerbung solltest Du Deine Sprachkenntnisse deshalb im Lebenslauf angeben. Allerdings stellt sich die Frage nach dem Wie. Sind die Kenntnisse in Englisch fließend, wenn Du in der Schule fünf Jahre lang Englischunterricht hattest und Deine Note nie schlechter war als eine Zwei? Solltest Du den Sprachkurs in Spanisch erwähnen, den Du vor Jahren einmal an der Volkshochschule gemacht hast? Und wie sieht es mit Sprachen wie Latein oder Altgriechisch aus, die gar nicht aktiv gesprochen werden? So viel vorweg: Wo und wie lange Du eine Sprache gelernt hast, ist zweitrangig. Was zählt ist, wie gut Du die Fremdsprache beherrschst.

„What makes you a good applicant for this position? What is your major strength?“ – Klar hast Du Dir eine Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet Du ein geeigneter Bewerber für die ausgeschriebene Stelle bist, zurechtgelegt. Und natürlich hast Du Dir auch Gedanken darüber gemacht, was Deine größten Stärken sind. Das Problem ist nur, dass Du Dir das alles auf Deutsch überlegt hast. Doch der Personaler möchte das Vorstellungsgespräch auf einmal auf Englisch fortsetzen. Und eigentlich sollte das auch kein Problem sein. Immerhin hattest Du in Deinem Lebenslauf ja angegeben, dass Deine Englischkenntnisse sehr gut sind.

Blöd ist, wenn sich dann aber herausstellt, dass Du ein wenig geflunkert hast. Oder wenn Du, tatsächlich aus Unwissenheit, Dein Sprachniveau falsch eingestuft hast. Damit Dir diese unangenehme Situation erspart bleibt, haben wir Tipps für Dich, wie Du Deine Sprachkenntnisse im Lebenslauf richtig angibst.

Die Angabe im Lebenslauf: Sprachkenntnisse in fünf Stufen

Oft ist schon in der Stellenanzeige davon die Rede, dass „gute Englischkenntnisse in Wort und Schrift“ erwartet werden oder dass „Kenntnisse in einer weiteren Fremdsprache wünschenswert“ wären. Wenn das Unternehmen in der Stellenbeschreibung ausdrücklich auf Fremdsprachenkenntnisse hinweist, solltest Du dieses Thema in Deiner Bewerbung auch aufgreifen. Und dabei solltest Du möglichst genau angeben, wie gut Deine Kenntnisse sind. Dafür wiederum kommen fünf unterschiedliche Sprachniveaus in Frage:

Grundkenntnisse

Wenn Du Grundkenntnisse einer Fremdsprache hast, bedeutet das, dass Du über einen gewissen Grundwortschatz verfügst. Du kennst die wichtigsten Vokabeln, gängige Redewendungen und kannst einfachen Smalltalk führen. Du herrschst also die wesentlichen Grundlagen.

Ist Dein Können ein bisschen weiter gefasst, kannst Du von erweiterten Grundkenntnissen sprechen. Sie werden manchmal auch mittlere Kenntnisse genannt. Du sprichst die Sprache damit nach wie vor nicht gut, könntest Dich aber im Alltag damit durchschlagen.

Grund- oder Basiskenntnisse kannst Du Dir beispielsweise bei einer Sprachreise oder durch einen Sprachkurs aneignen.

Konversationssicher

Kannst Du einfache Gespräche mitverfolgen und verstehst Du ziemlich viel, ist Dein Wortschatz aber insgesamt überschaubar, kannst Du Deine Sprachkenntnisse als konversationssicher einstufen. Eine andere Möglichkeit wäre, dass Du von guten Sprachkenntnissen sprichst.

Diese Stufe bedeutet, dass Du ein Alltagsgespräch ohne nennenswerte Schwierigkeiten führen kannst. Der Schwerpunkt liegt aber tatsächlich auf dem Sprechen. Konversationssicher heißt nämlich immer auch, dass Dir das Schreiben nicht ganz so leicht fällt.

Gute Kenntnisse kannst Du beispielsweise vorweisen, wenn Du die Sprache in der Schule gelernt, danach aber nicht weiter vertieft hast.

Fließend

Kannst Du Texte in Büchern und Zeitungen ohne Probleme lesen und verstehen, Filme schauen und Dich über verschiedenste Themen unterhalten, sprichst Du die Sprache fließend. Dazu gehört aber nicht nur Smalltalk über alltägliche Themen. Stattdessen kannst Du Dich auch tiefer gehend über schwierigere Themen wie Politik oder Wirtschaft austauschen. Außerdem kennst Du die Grammatikregeln und typische Redewendungen.

 Fließende Kenntnisse sind gleichbedeutend mit sehr guten Kenntnissen. Diese hast Du Dir beispielsweise in der Schule angeeignet und später durch Kurse oder Auslandsaufenthalte vertieft.

Verhandlungssicher

Die Floskel verhandlungssicher besagt, dass Du die Fremdsprache sehr, sehr gut beherrschst. Du kannst die Grammatik und hast einen großen Wortschatz, der auch Fachausdrücke umfasst. Du kannst Dich über alles unterhalten, selbst komplexe Themen sind kein Problem. Deine Sprachkenntnisse sind so gut, dass Du ein ganzes Meeting durchführen und mit Geschäftspartnern Verträge aushandeln kannst. Natürlich kannst Du auch mit der Sprache spielen, Stimmungen aufspüren und Nuancen deuten.

Verhandlungssichere Sprachkenntnisse kannst Du vorweisen, wenn Du beispielsweise eine längere Zeit im Ausland verbracht hast.

Muttersprachler

Von einer Muttersprache solltest Du nur dann sprechen, wenn Du mit der jeweiligen Sprache groß geworden bist. Bist Du beispielsweise zweisprachig aufgewachsen und sprichst beide Sprachen wirklich nahezu perfekt, kannst Du das so angeben. Wenn Du eine Fremdsprache zwar sehr gut beherrschst, sie aber nicht von klein auf sprichst, ist sie nicht Deine Muttersprache.

Die Alternative: Sprachkenntnisse international einordnen

Du kannst Dich auch am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen orientieren, um die eigenen Sprachkenntnisse im Lebenslauf einzustufen. Er teilt die Kenntnisse in sechs verschiedene Stufen ein:

  • Die beiden niedrigsten Stufen sind A1 und A2. Sie stehen für eine elementare Sprachverwendung. Das bedeutet: Du hast Basiskenntnisse und kannst Dich verständigen.
  • B1 und B2 sind die mittleren Stufen und beschreiben eine selbstständige Sprachverwendung. Du kannst verschiedenste Gespräche führen und anspruchsvolle Texte gut verstehen. Arbeitgeber erwarten oft Sprachkenntnisse auf diesem Niveau.
  • Die höchsten Stufen sind C1 und C2. Sie bezeichnen eine kompetente Sprachverwendung. In dieser Stufe kannst Du flüssig und spontan mit der Sprache umgehen, und das sowohl mündlich als auch schriftlich.

Sprachkenntnisse nicht nur behaupten, sondern auch belegen

Bei einer Bewerbung gilt generell, dass Du nicht nur irgendwelche Behauptungen aufstellen solltest. Stattdessen solltest Du Deine Angaben mit konkreten Beispielen untermauern oder handfeste Nachweise vorlegen. Das ist bei beruflichen Qualifikationen, besonderen Fähigkeiten und persönlichen Eigenschaften so. Und auch bei den Fremdsprachenkenntnissen ist das nicht anders.

Optimal ist natürlich, wenn Du offizielle Sprachzertifikate präsentieren kannst. Beispiele dafür sind

  • Dein Ergebnis vom TOEFL-Test oder das Cambridge Certificate für Englisch,
  • das DELF/DALF für Französisch oder
  • ein Zertifikat von TELC, das es für verschiedene Sprachen gibt, darunter Spanisch, Italienisch, Polnisch, Russisch und Arabisch.

Aber natürlich sind Zeugnisse von Sprachkursen, Belege über Sprachreisen oder schlicht Deine Schulzeugnisse nicht weniger wert. Das gilt vor allem dann, wenn Du gerade frisch aus der Schule kommst und Deine berufliche Zukunft erst noch vor Dir hast. Oder wenn Du nach dem Schulabschluss im Ausland unterwegs warst und dort gejobbt, aber eben keine Sprachschule besucht hast.

Gibt es keine Belege für Deine Sprachkenntnisse, kannst Du erwähnen, wo und wie Du die Sprache gelernt hast. Schreibe also beispielsweise, dass Du jeden Urlaub in Spanien verbracht und diesem Zuge auch die Sprache aufgeschnappt hast. Der Personaler kann dadurch einordnen, wie gut Deine Kenntnisse ungefähr sind. Und er weiß, dass Du Dich zwar unterhalten kannst, aber noch nachbessern musst, um die Sprache auch im Beruf zu nutzen.

4 Fragen zu Sprachkenntnissen im Lebenslauf

Bei der Bewerbung wirst Du in aller Regel einen tabellarischen Lebenslauf schreiben. Und die Sprachkenntnisse führst Du unter den besonderen Kenntnissen und Fähigkeiten auf. Eine eigene Kategorie anzulegen, macht nur dann Sinn, wenn Du mehrere Fremdsprachen beherrschst. Bei der Angabe im Lebenslauf nennst Du erst die Sprache und danach Dein Sprachniveau. Also zum Beispiel so:

 Englisch: fließend

Französisch: konversationssicher

Spanisch: erweiterte Basiskenntnisse

Sinnvoll dabei ist, mit der Sprache anzufangen, die Du am besten kannst. Und um auch noch die letzten Unklarheiten zu beseitigen, beantworten wir jetzt noch vier Fragen, die sehr häufig auftauchen.

1. Welche Kenntnisse gebe ich überhaupt an?

Natürlich kannst Du Pluspunkte sammeln, wenn Du mehrere Fremdsprachen beherrschst. Aber Du musst nicht jede Sprache, von der Du irgendwann einmal ein paar Brocken aufgeschnappt hast, im Lebenslauf angeben. Als Faustregel gilt:

Führe nur Sprachkenntnisse in der Bewerbung an, wenn Du die Sprache mindestens konversationssicher beherrschst. Alles, was schlechter ist, kannst Du getrost weglassen.

Eine Ausnahme gilt dann, wenn Du keine andere Sprache kannst und Dein Schulenglisch eben über Basiskenntnisse nicht hinausgeht. Daneben kannst Du Grundkenntnisse angeben, wenn die Sprache für den Arbeitgeber eine große Bedeutung hat. Hat das Unternehmen beispielsweise wichtige Standorte in Polen und hast Du Basiskenntnisse in Polnisch, kannst Du diese erwähnen.

2. Was ist mit den sogenannten toten Sprachen?

Es gibt Sprachen, die nicht mehr aktiv gesprochen und auch im alltäglichen Schriftverkehr nicht mehr verwendet werden. Sie werden auch tote Sprachen genannt. Latein, Altgriechisch und Althebräisch sind ein paar Beispiele. Weil die Sprachen nicht mehr aktiv benutzt werden, würde es wenig Sinn machen, ihnen die üblichen Abstufungen zuzuordnen. Dass Du verhandlungssicher Latein kannst und Dein Altgriechisch konversationssicher ist, ist schließlich ziemlich unwahrscheinlich.

Im Lebenslauf kannst und solltest Du solche Sprachekenntnisse aber trotzdem erwähnen. Nur lässt Du dann eben die Niveaustufe weg. Es sei denn, Du hast das große Latinum. Dann kannst Du schreiben: „Latein (großes Latium)“.

3. Was gilt eigentlich für meine Deutschkenntnisse?

Wenn Du in Deutschland aufgewachsen und hier zur Schule gegangen bist, ist Deutsch vermutlich Deine Muttersprache. Oder jedenfalls beherrscht Du die deutsche Sprache genauso gut wie ein Muttersprachler. Aber in diesem Fall ist Deine Muttersprache keine Fremdsprache. Und dass Du Deutsch kannst, musst Du nicht extra erwähnen. Das setzt der Arbeitgeber als selbstverständlich voraus.

Eine Ausnahme gilt dann, wenn Du nicht in Deutschland groß geworden bist. Hast Du eine andere Muttersprache und Deutsch als Fremdsprache gelernt, kannst Du dieses sprachliche Können selbstverständlich angeben.

4. Wie gehe ich vor, wenn ich keine andere Sprache spreche?

Hast Du nie eine Fremdsprache gelernt oder reicht Dein Schulwissen nicht einmal für eine ganz einfache Konversation aus, macht es keinen Sinn, im Lebenslauf irgendwelche Sprachkenntnisse zu erfinden. Früher oder später fliegt der Schwindel nämlich ohnehin auf und spätestens dann droht mächtig Ärger.

In diesem Fall ist es am besten, wenn Du die Flucht nach vorne antrittst. Das heißt: Sprich im Vorstellungsgespräch von Dir aus Dein Defizit an. So kannst Du beispielsweise fragen, ob es Fortbildungen im sprachlichen Bereich gibt. Damit signalisierst Du dem Arbeitgeber, dass Du Dich mit dem Beruf und dem Unternehmen beschäftigt hast. Und dass Du Deine Schwächen kennst und bereit bist, daran zu arbeiten.

Der wichtigste Tipp zum Schluss

Bleib in Sachen Sprachkenntnisse bei der Wahrheit! Natürlich kannst und solltest Du Dein Können selbstbewusst präsentieren. Wenn Du Dich in einer Fremdsprache sicher fühlst, gibt es überhaupt keinen Grund, tiefzustapeln und Deine Kenntnisse schlechter einzustufen, als sie in Wirklichkeit sind. Andersherum solltest Du aber auch nicht übertreiben. Denn Du musst damit rechnen, dass die Angaben aus Deinem Lebenslauf im Vorstellungsgespräch überprüft werden.