Tipps zur Bewerbung FSJ

Freie Plätze für den Freiwilligendienst sind begehrt. Eine überzeugende Bewerbung ist deshalb umso wichtiger!

Ob berufliche Orientierung, persönliche Weiterentwicklung, der Wunsch nach sozialem Engagement oder einfach nur eine Möglichkeit, um eine Zeit ohne Beschäftigung sinnvoll zu überbrücken: Für ein Freiwilliges Soziales Jahr kann es verschiedene Beweggründe geben.

Die Arbeit in einer sozialen Einrichtung oder einem kulturellen Projekt ist bei Schulabgängern jedenfalls sehr beliebt. Und oft wird das Freiwilligenjahr zu einer wichtigen Station im Lebenslauf. Doch einfach so bekommst Du die Stelle nicht. Stattdessen musst Du auch fürs FSJ eine Bewerbung schreiben.

Das Ende Deiner Schulzeit rückt näher und Du weißt noch nicht, wie es danach weitergehen soll? Du hast schon eine Idee davon, was Du beruflich machen willst, hast aber noch keine Lust auf eine Ausbildung oder ein Studium? Deine Bewerbungen um eine Lehrstelle oder einen Studienplatz waren nicht erfolgreich? Eine Beschäftigung, durch die Du Dich persönlich weiterentwickeln und von der Du beruflich profitieren kannst, fändest Du gut?

In allen diesen Fällen kann ein Engagement als Freiwilliger eine gute Lösung für Dich sein. Wir haben die wichtigsten Infos rund ums FSJ für Dich zusammengestellt. Und wir geben Dir Tipps für Deine Bewerbung!

Was ist ein FSJ überhaupt?

Das Kürzel FSJ steht für Freiwilliges Soziales Jahr. Dahinter verbirgt sich ein Freiwilligendienst. Junge Leute, die ein FSJ machen, arbeiten in einer sozialen, gemeinnützigen, kulturellen oder politischen Einrichtung mit. Das können beispielsweise

  • Kindertagesstätten und Kindergärten,
  • Jugendzentren,
  • Krankenhäuser,
  • Altenheime und Pflegedienste,
  • Sportvereine,
  • Einrichtungen im Bereich Kultur oder
  • politische Organisationen

sein. In der jeweiligen Einrichtung lernen die Freiwilligen verschiedene Bereiche kennen und übernehmen unterschiedliche Aufgaben. So können sie in den Arbeitsalltag hineinschnuppern und sich über Berufe informieren. Sie können herausfinden, welche Tätigkeiten ihnen gut liegen, und eigene Projekte umsetzen. Die Zusammenarbeit mit anderen Menschen kann dazu beitragen, für sich selbst neue Wege zu entdecken. Nebenbei sammeln die Frewilligen praktische Berufserfahrung und haben eine sinnvolle Station mehr im Lebenslauf.

Wann kann ich ein FSJ machen?

Das FSJ ist für Jugendliche und junge Erwachsene vorgesehen. Deshalb gibt es Altersgrenzen, nämlich folgende:

  • Du musst die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben. Je nach Bundesland ist das der Fall, wenn Du das 9. oder 10. Schuljahr beendet hast. Gleichzeitig wirst Du zu diesem Zeitpunkt 15 oder 16 Jahre alt sein. Und das ist dann auch das Mindestalter für ein FSJ.
  • Die Höchstgrenze liegt bei 26 Jahren. Dabei muss Dein Freiwilligenjahr beendet sein, wenn Du Deinen 27. Geburtstag feierst.

Ansonsten gibt es keine weiteren Voraussetzungen. Welche Schule Du besuchst hast und wie Dein Notendurchschnitt war, spielt keine Rolle. Ebenso ist es egal, ob Du eine Ausbildung hast oder Berufserfahrung mitbringst. Was zählt, ist nur, dass Du in der jeweiligen Einrichtung mitarbeiten und Neues lernen möchtest.

Übrigens: Das FSJ ist in Deutschland gesetzlich geregelt. Das dazugehörige Gesetz nennt sich Gesetz zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten.

Wie lange dauert ein FSJ?

Wie der Name schon andeutet, dauert ein Freiwilligenjahr normalerweise ein Jahr. Und diese zwölf Monate leistest Du an einem Stück. Dabei arbeitest Du in Vollzeit in Deiner Einrichtung mit. Vollzeit bedeutet, dass Du an fünf Tagen pro Woche im Einsatz bist. Ein Arbeitstag umfasst üblicherweise acht Stunden. Aber keine Sorge: Du hast auch Urlaub, nämlich mindestens 24 Tage.

Als Gegenleistung für Deinen Einsatz bekommst Du ein monatliches Taschengeld. Außerdem bezahlt der FSJ-Träger Beiträge an die Sozialversicherungen für Dich. Du bist also in der Kranken-, Renten-, Arbeitslosen-, Pflege- und Unfallversicherung abgesichert, ohne dass Du selbst etwas dazuzahlen musst. Je nachdem, wo Du arbeitest, erhältst Du auch Unterkunft und Verpflegung oder das Geld dafür.

Wenn Dir ein Jahr zu lang ist, kannst Du den Freiwilligendienst verkürzen. Die Mindestdauer liegt nämlich bei sechs Monaten. Andersherum kannst Du Deinen Einsatz um ein halbes Jahr verlängern. Dann dauert Dein FSJ also 18 Monate.

Was sind mögliche Einsatzstellen bei einem FSJ?

Die Einrichtung, in der Du während des FSJ arbeitest, heißt Einsatzstelle. Dabei werden nur solche Einrichtungen gesetzlich als Einsatzstellen zugelassen, die gemeinwohlorientiert arbeiten. Gemeinwohlorientiert bedeutet, dass die Einrichtung oder Organisation nicht den finanziellen Gewinn in den Vordergrund stellt. Stattdessen besteht ihr Schwerpunkt darin, Menschen zu unterstützen.

Je nach Aufgabenbereich der Einrichtung gibt es das FSJ in fünf verschiedenen Varianten:

  • In sozialen Einrichtungen findet das FSJ statt. Eine Kindertagesstätte, ein Altenheim oder eine Pflegeeinrichtung für Behinderte wäre eine mögliche Einsatzstelle dafür.
  • Das FSJ Kultur wird in kulturellen Einrichtungen durchgeführt. Das kann beispielsweise ein Kulturzentrum für Jugendliche, ein Museum, eine Musikschule oder ein Theater sein.
  • Vereine und Einrichtungen, die Spiel-, Sport- und Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche organisieren, gehören zum FSJ Sport. In erster Linie sind das Sportvereine. Aber auch Schulen sind daran beteiligt.
  • Einrichtungen des politischen Lebens bieten das FSJ Politik an. Dazu zählen beispielsweise kirchliche Verbände, Menschenrechtsorganisationen, aber auch Ämter und Bürgerbüros.
  • Kirchen, Schlösser und Burgen, Friedhöfe und besondere Gärten sind Beispiele für Denkmäler. Ämter, Vereine, Büros und Museen, die sich darum kümmern, solche Denkmäler zu pflegen und zu erhalten, sind Einsatzstellen für das FSJ Denkmalpflege.

Du kannst Deinen Freiwilligendienst aber auch im Ausland leisten. Und das FSJ ist nur eine Art von Freiwilligendienst in Deutschland. Es gibt nämlich auch noch andere. Dazu gehören beispielsweisweise der Bundesfreiwilligendienst (BFD) und das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ), bei dem es um den Natur- und Umweltschutz geht.

Tipp: Wenn Du nicht weißt, welcher Freiwilligendienst am besten zu Dir passen könnte, hilft Dir die Diakonie Hamburg weiter. Sie stellt nämlich online einen Typencheck zur Verfügung.

Wer ist mein Ansprechpartner beim FSJ?

Wenn Du Dich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entscheidest, schließt Du eine schriftliche Vereinbarung ab. Diese Vereinbarung ist eine Art Vertrag, in dem die Rechte und Pflichten aller Beteiligten regelt sind.

Bewerbung FSJ Partner

Beim FSJ arbeiten drei Partner zusammen.

Die Einrichtung, in der Du arbeitest, ist Deine Einsatzstelle. Und dort hast Du einen Kollegen, der Dir mit Rat und Tat zur Seite steht. Er weist Dich ein, erklärt Dir Deine Aufgaben und ist Dein Ansprechpartner, falls Fragen auftauchen.

Um die Durchführung des FSJ kümmert sich der Träger. Als Organisation ist der Träger dafür verantwortlich, dass alles klappt. Auch beim FSJ-Träger hast Du einen Ansprechpartner, der Dich während des Freiwilligenjahres begleitet und Dir bei Fragen oder Problemen weiterhilft.

Er wird Dich zudem regelmäßig besuchen. Im persönlichen Gespräch wird er wissen wollen, ob Du Dich an Deiner Einsatzstelle wohlfühlst und mit Deinen Aufgaben zurechtkommst. Außerdem kannst Du ihm sagen, welche Tätigkeiten Du gerne noch ausprobieren möchtest. Daneben wird er Dir Möglichkeiten aufzeigen, wie es nach dem Dienst beruflich für Dich weitergehen könnte.

Was muss ich zum FSJ noch wissen?

Während Du Dein soziales Jahr leistet, arbeitest Du nicht nur in Deiner Einsatzstelle. Zusätzlich dazu nimmst Du auch an Bildungsangeboten teil. Meist werden sie als Seminarwochen durchgeführt. Dauert Dein Freiwilligendienst zwölf Monate, musst Du 25 Bildungstage absolvieren. Die Angebote organisiert der FSJ-Träger und er bezahlt auch alle Kosten dafür. Bei den Bildungstagen triffst Du andere FSJler und kannst Dich mit ihnen austauschen. Außerdem erweiterst Du Dein Wissen für die Tätigkeit in Deiner Einrichtung. Deine persönlichen Perspektiven, Deine berufliche Zukunft und Möglichkeiten, wie Du Dich nach Deinem Jahr weiterhin sozial engagieren kannst, stehen ebenfalls auf dem Programm.

Ist Dein Freiwilligendienst vorbei, bekommst Du ein Zeugnis. Dort ist angegeben, welche Aufgaben Du erledigt und welche Kenntnisse Du erworben hast. An welchen Bildungsangeboten Du teilgenommen hast, ist ebenfalls aufgeführt. Wenn Du Dich um eine Ausbildungsstelle, einen Studienplatz oder einen Job bewirbst, kann Dir dieses Zeugnis weiterhelfen. Entscheidest Du Dich für ein Studium, werden Dir für das Freiwilligenjahr zwei Wartesemester angerechnet.

Wann und wo kann ich mich für ein FSJ bewerben?

Ein Freiwilliges Soziales Jahr beginnt meistens irgendwann zwischen Juli und Oktober. Die besten Chancen auf eine FSJ-Stelle hast Du, wenn Du Dich gut ein halbes Jahr vorher bewirbst. Manchmal hast Du zwar Glück und findest kurzfristig noch einen freien Platz. Besser ist aber, wenn Du Dich rechtzeitig auf die Suche machst.

Deine Bewerbung reichst Du in aller Regel direkt beim Träger ein. Wie genau Du Dich bewerben musst, ist verschieden. Bei einigen Organisationen kannst Du Dich online bewerben. Andere Träger möchten eine E-Mail-Bewerbung oder eine Bewerbung ganz klassisch per Post. Wieder andere FSJ-Träger führen Info-Veranstaltungen durch, um Dich und die anderen Bewerber vorab erst einmal persönlich kennen zu lernen. Manchmal wirst Du auch direkt zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.

Informiere Dich deshalb am besten direkt beim jeweiligen Träger, wie Du Dich bewerben sollst. Infos zu Organisationen und FSJ-Stellen in ganz Deutschland und auch im Ausland findest Du beispielsweise auf www.fsj-stellen.de, www.pro-fsj.de und www.deinjahr.org. Auf der Internetseite vom Bundesfamilienministerium wiederum kannst Du Dir eine Broschüre über das Freiwillige Soziale Jahr als PDF herunterladen oder bestellen.

Bewerbung FSJ: Was muss rein?

Auch wenn die FSJ-Träger unterschiedlich arbeiten, wirst Du in den meisten Fällen um eine formale Bewerbung nicht herumkommen. Was das bedeutet? Für Deine Bewerbung brauchst Du

  • einen tabellarischen Lebenslauf mit Passfoto,
  • ein Anschreiben und
  • die Kopie von Deinem letzten Schulzeugnis.

Hast Du Arbeitszeugnisse oder Nachweise von anderen ehrenamtlichen Engagements, kannst und solltest Du diese natürlich ebenfalls in Deine Bewerbungsmappe aufnehmen.

Der Lebenslauf

Für den Lebenslauf gelten die üblichen Regeln. Du listest also schön übersichtlich Deine persönlichen Daten, Deinen schulischen Werdegang und Praktika auf. Hast Du schon eine Ausbildung gemacht oder gearbeitet, gibst Du Deinen beruflichen Werdegang natürlich ebenfalls an. Außerdem nennst Du besondere Fähigkeiten wie Fremdsprachen- oder Computerkenntnisse. Auch Deine Hobbys sind sehr wichtig. Denn dadurch kann sich der Träger ein besseres Bild von Dir machen. Na ja, und meistens wird Dein Lebenslauf noch ziemlich kurz sein. Deshalb helfen Dir Deine Interessen dabei, die Seite zu füllen. Was den Lebenslauf angeht, kannst Du Dich ruhig an Vorlagen und Musterbewerbungen orientieren.

Manchmal musst Du auch einen Bewerbungsbogen ausfüllen. Ihn bekommst Du als Formular vom Träger ausgehändigt oder er ist online hinterlegt.

Das Anschreiben

Das Herzstück und mit Abstand wichtigste Element Deiner FSJ-Bewerbung ist das Anschreiben. Wobei das Anschreiben gar kein Bewerbungsschreiben im klassischen Sinne ist. Es ist nämlich vielmehr ein Motivationsschreiben. Das Ziel dieses Schreibens ist, dass Du Deine Beweggründe für das FSJ aufzeigst. Außerdem solltest Du erklären, warum Du Dich gerade für diese Organisation entschieden hast. Versuche also, mit Deinem Motivationsschreiben folgende Fragen zu beantworten:

  • Warum möchtest Du ein Freiwilliges Soziales Jahr machen?
  • Weshalb ist ein FSJ im Moment für Dich die bessere Lösung, als eine Ausbildung oder Studium anzufangen?
  • Welche Erwartungen hast Du an den Freiwilligendienst? Was erhoffst Du Dir von Deinem FSJ?
  • Wie bist Du auf diesen Träger oder die entsprechende Einrichtung gekommen? Warum willst Du ausgerechnet hier mitarbeiten?
  • Was macht diesen Aufgabenbereich für Dich so spannend und interessant?
  • Welche Kenntnisse und Fähigkeiten bringst Du schon mit? Welche Eigenschaften und Charakterzüge zeichnen Dich aus?
  • Was willst Du Neues lernen? Welche vorhandenen Fähigkeiten willst Du vertiefen? Welche praktischen Erfahrungen willst Du sammeln?

Formuliere Dein Anschreiben offen und ehrlich. Es geht nicht darum, dass Du ein rhetorisches Meisterwerk ablieferst.

Entscheidend ist, dass Du dem FSJ-Träger überzeugend vermittelst, dass Du es ernst meinst und Dich wirklich engagieren und einbringen willst.

Schreibe deshalb nicht einfach irgendwelche Vorlagen ab. Und verzichte auf die typischen Standardsätze und Floskeln, die in Bewerbungen für Ausbildungs- und Arbeitsplätze üblich sind. Solche aalglatten Formulierungen passen fast nie zu einem freiwilligen Engagement im sozialen Bereich. Schreibe lieber aufrichtig und so, wie Du empfindest. Dann wirkst Du überzeugend – und kannst Dich bestimmt bald über eine Einladung zum Bewerbungsgespräch freuen!