Irgendwann ist die Schulzeit beendet und es stellt sich die Frage, wie es jetzt weitergehen soll. Das ist bei allen Jugendlichen und jungen Erwachsenen so, egal ob mit oder ohne Behinderung. Während gesunde Jugendliche aber letztlich die freie Wahl haben und fleißig Bewerbungen für ihren Wunschberuf schreiben können, tauchen bei Jugendlichen mit Behinderung weitere Fragen auf: Welche Ausbildungsberufe kommen überhaupt in Frage? Wer kann bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz helfen? Und was ist, wenn die Fähigkeiten für eine Berufsausbildung (noch) nicht ausreichen?

 

Als erstes geht’s zur Arbeitsagentur…

Wenn das Ende Deiner Schullaufbahn näher rückt oder Du Deinen Schulabschluss sogar schon in der Tasche hast, solltest Du Dich mit Deiner örtlich zuständigen Agentur für Arbeit in Verbindung setzen. Dort gibt es nämlich ein sogenanntes Reha-Team. Das Reha-Team ist extra dafür da, um Menschen mit Handicap jeder Art bei ihrem Weg in die Arbeitswelt zu unterstützen. Zunächst wirst Du dann ein paar Formulare ausfüllen müssen. Wenn Deine Formulare bearbeitet sind, wirst Du zu einem Gespräch mit Deinem persönlichen Berater eingeladen. Bei dem Termin möchte Dich der Berater kennenlernen. Er wird mit Dir besprechen, wo Deine Interessen liegen, was Du besonders gut kannst und was Du gerne machen möchtest. Ihr werdet aber auch besprechen, wobei Du Unterstützung brauchst und gefördert werden musst. Das Gespräch ist ziemlich wichtig. Denn je genauer das Bild ist, das sich der Berater von Dir machen kann, desto besser kann er Dir bei Deiner Suche nach einem Ausbildungsplatz helfen.

 

… dann folgt eventuell eine Zwischenstation …

Nun kann es natürlich sein, dass Du noch gar nicht so richtig weißt, was Du beruflich machen willst. Oder dass sich herausstellt, dass es für eine Ausbildung noch etwas zu früh ist. In diesem Fall kann Dir der Berater die Teilnahme an Maßnahmen der Aktivierungshilfen, kurz Ah, vorschlagen. Diese Maßnahmen verfolgen das Ziel, Dich an das Ausbildungs- und Beschäftigungssystem heranzuführen und einzugliedern. Die Fördermaßnahmen bestehen aus den Bausteinen

  • Berufsorientierung,
  • Sprachförderung,
  • Betriebliche Erfahrungen,
  • Umgangsformen und allgemeine Grundlagen,
  • Grundlagen gesunder Lebensführung,
  • Suchtprävention und
  • Schuldenprävention.

Welche Maßnahmen bei Dir in Betracht kommen, hängt natürlich von Deinen Bedürfnissen ab. Die Ah kannst Du in Anspruch nehmen, wenn Du noch keine 25 Jahre alt bist, noch keine Berufsausbildung hast und die Förderung eben brauchst.

Eine andere Möglichkeit wäre eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, kurz BvB. Hinter diesem Begriff verbergen sich verschiedene Maßnahmen, die Dich auf das Berufsleben vorbereiten sollen. So lernst Du unter anderem verschiedene Berufsfelder kennen und erwirbst die notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten, um mit Deiner Berufsausbildung zu beginnen. Die BvB dauert bis zu einem Jahr lang. Daneben gibt es noch weitere Fördermöglichkeiten, durch die Dich die Arbeitsagentur unterstützen kann. Das wirst Du aber alles mit Deinem Berater besprechen, denn die Maßnahmen berücksichtigen immer den individuellen Bedarf im Einzelfall.

… und schließlich kann die Ausbildung beginnen.

Ausbildungsberufe für behinderte MenschenBist Du bereit für den Einstieg ins Berufsleben, hilft Dir die Arbeitsagentur dabei, einen Ausbildungsplatz zu finden. Selbstverständlich kannst Du Dich auch auf eigene Faust auf die Suche machen und Bewerbungen schreiben. Aber wenn Du Deinen Ausbildungsplatz dann hast, bist Du nicht auf Dich alleine gestellt. Die Arbeitsagentur überstützt Dich nämlich auch weiterhin in vielerlei Hinsicht. So greift sie Dir finanziell unter die Arme. Je nachdem, wie Deine Ausgangssituation ist, bekommst Du Ausbildungsgeld, Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) oder Übergangsgeld.

Zeigt sich, dass Dir die Ausbildung schwerer fällt als gedacht, kannst Du die sogenannten Ausbildungsbegleitenden Hilfen, kurz abH, in Anspruch nehmen. Diese Maßnahmen umfassen beispielsweise Stütz- und Förderunterricht, der Dir dabei hilft, Wissenslücken und Lernschwierigkeiten zu überwinden. Aber auch wenn es Probleme mit Prüfungen gibt oder Schwierigkeiten im Betrieb oder in Deinem sozialen Umfeld auftauchen, greifen die abH. Generell besteht das Ziel der abH darin, Dich darin zu unterstützen, Deine Ausbildung zu meistern und erfolgreich abzuschließen.

Für Deinen Arbeitsplatz als solches ist das Integrationsamt zuständig. Das Integrationsamt kümmert sich unter anderem um die Eingliederung von schwerbehinderten Menschen. Wenn an Deinem Arbeitsplatz Umbaumaßnahmen erforderlich sind oder Hilfsmittel benötigt werden, übernimmt das Integrationsamt die Kosten dafür. Außerdem berät das Integrationsamt Deinen Arbeitgeber in psychosozialen Fragen und bietet Hilfestellung, falls Unklarheiten oder Schwierigkeiten auftauchen sollten.

 

Liste der Ausbildungsberufe für behinderte Menschen

Nun wirst Du Dich aber vielleicht fragen, welche Berufe Du überhaupt erlernen kannst, wenn Du ein Handicap hast. Derzeit gibt es 63 Ausbildungsberufe, die sich speziell an Menschen mit Behinderung richten. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für diese Ausbildungsberufe schafft § 66 BBiG in Verbindung mit §42m HwO. In der folgenden Tabelle haben wir die Ausbildungsberufe für Dich aufgelistet.

Bau & Handwerk– Baufachwerker/in – Ausbau

– Fachpraktiker/in für Hochbaufacharbeiter

– Fachpraktiker/in für Holzverarbeitung

– Fachpraktiker/in für Maler und Lackierer

– Fachpraktiker/in für Tiefbaufacharbeiter

– Fachpraktiker/in für Buchbinder

– Fachpraktiker/in für Drucktechnik

Metallbau– Fachpraktiker/in für Metallbau

– Industriefachhelfer/in

– Metallfachwerker/in

– Metallfeinbearbeiter/in

– Metallwerker/in

– Elektro- und Schutzgasschweißer/in

– Schweißwerker/in – Gasschmelzschweißen

– Schweißwerker/in – Lichtbogenschweißen

Technik– Fachpraktiker/in elektronische Geräte und Systeme

– Fachpraktiker/in für Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik

– Fachpraktiker/in für Baugruppenmechanik

– Fachpraktiker/in für elektrische Geräte

– Fachpraktiker/in für Elektroniker

– Fachpraktiker/in für Konstruktionsmechanik

– Fachpraktiker/in für Land- und Baumaschinentechnik

– Fachpraktiker/in für Zerspannungsmechanik

– Fachwerker/in – Feinwerktechnik

– Fachwerker/in – Qualitätssicherung

– Werker/in für Feinwerktechnik

Kfz– Fachpraktiker/in für Kfz-Mechatroniker

– Fahrzeugpfleger/in

– Karosseriebearbeiter/in

– Zweiradmechanikerwerker/in

Kreatives– Bekleidungsnäher/in

– Fachpraktiker/in im Damenschneiderhandwerk

– Näher/in

– Schäftemacher/in

– Korb- und Flechtwerker/in

– Schmuckwerker/in

– Textilreinigerwerker/in

– Raumausstatterwerker/in

Verkauf– Fachpraktiker/in in der Floristik

– Fachpraktiker/in im Lagerbereich

– Fachpraktiker/in im Nahrungsmittelverkauf

– Fachpraktiker/in im Verkauf

Lebensmittel– Fachpraktiker/in für Bäcker

– Fachpraktiker/in für Fleischer

– Fachpraktiker/in für Winzer

Büro & Dienstleistungen– Fachpraktiker/in für Markt- und Sozialforschung

– Fachpraktiker/in für Bürokommunikation

– Fachpraktiker/in für Dialogmarketing

– Fachpraktiker/in für Informationstechnik

– Fachpraktiker/in für Kreislauf- und Abfallwirtschaft

– Fachpraktiker/in für personale Dienstleistungen

– Fachpraktiker/in für technisches Zeichnen

– Telefonist/in

Gebäude & Gastronomie– Fachpraktiker/in für Gebäudereiniger

– Fachpraktiker/in für Hauswirtschaft

– Fachpraktiker/in im Gastgewerbe

– Fachpraktiker/in Küche

– Fachpraktiker/in im Gebäudeservice

– Fachpraktiker/in für Gebäudereiniger

– Fachpraktiker/in für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice

Tiere & Natur– Fachpraktiker/in für Tierpflege

– Fachpraktiker/in für Pferdewirt

– Gartenbauwerker/in

– Landwirtschaftswerker/in

Die Ausbildungen dauern je nach Beruf zwischen 1 und 3 Jahre. Findet die Ausbildung als duale Ausbildung statt, lernst Du in Deinem Ausbildungsbetrieb und besuchst die Berufsschule. Als Alternative dazu kann die Ausbildung in einer Einrichtung der beruflichen Rehabilitation stattfinden. In diesem Fall lernst Du den Beruf in dieser Einrichtung, beispielsweise einem Berufsbildungswerk. Erste praktische Berufserfahrung sammelst Du meist durch Betriebspraktika.